Dieser Bericht wurde nicht von mir, sondern von Mark verfasst. Die Veröffentlichung erfolgt auf Grundlage der großzügigen Erlaubnis seiner Frau Elke im Sinne, dass "die Informationen und Gedanken anderen weiterhelfen könnten".

Marks wervoller Beitrag "Vor der Op - nach der OP" wird mir unvergessen bleiben. Er hatte mir damals in der Zeit vor meiner Operation sehr geholfen, mich auf diese große Operation einzustellen. Ich habe bis heute keinen wertvolleren und ausführlicheren Bericht von Patientenseite über diese Operation im Internet gefunden.

Vielen Dank an Mark und Elke von mir und im Namen meiner Leser - Jürgen

Die Operation - Von Mark

Hallo zusammen, zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die mir die Daumen gedrückt haben und mich auch in meiner Zeit im Krankenhaus begleitet haben. Es ist schwer, die 3 Wochen Krankenhaus zusammenzufassen und zu lang darf das Ganze auch nicht werden, sonst wird es zu schwer zum Lesen. Aber meine Rubrik heißt „Vor und nach der OP“ und so will ich entsprechend berichten:

Vor der OP: Ich war die letzten Tage sehr nervös und habe mir von meinem Arzt was zur Beruhigung verschreiben lassen. Aber ich habe bis auf einen Tag nichts davon genommen, weil ich an dem einem Tag als ich die Tabletten bewusst zum Testen genommen habe, schon ganz klar einen Realitätsverlust gespürt habe und mir eigentlich die letzten Tage vor der OP zu schade waren, um sie im Dämmerungszustand zu erleben. Es gab ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Es vermischte sich eine gewisse Angst mit Hoffnung, gepaart mit Unwissenheit auf das, was da kommt. Meine Familie hat mich in diesen Tagen sehr gut unterstützt und sehr geholfen diese Tage so angenehm und schön wie möglich zu verleben. Ich habe auch die Unterstützung einer Psychologin nicht abgelehnt und kann das auch nur empfehlen. Es gibt jede Menge Möglichkeiten und Hilfen sich möglichst positiv auf die OP einzustellen. So bin ich am 04.10.06 nach gutem Frühstück zur Uni-Klinik gefahren worden.

Ich habe dann im Laufe des Tages nur noch was getrunken (Mittags eine klare Brühe), weil ich abends sowieso leer geräumt wurde. Das geschah mit einer Flüssigkeit namens Fleet so ab 16:30 Uhr, die ihre erste Wirkung nach ca 40 Minuten nach der Einnahme bei mir zeigte. Diese Zeiten auf der Toilette gehörten zu den neuen Erfahrungen im Leben, war nicht besonders angenehm, aber zum Glück hatten wir im Zwei-Bett Zimmer eine Toilette und gaben uns die Klinke in die Hand, weil mein Zimmernachbar auch mit Fleet leer geräumt wurde. Abends hörte das Spiel dann um ca 20:30 Uhr auf und ich bekam eine Beruhigungstablette für die Nacht. Diese Tablette hat mir sehr geholfen, eine ruhige und schlafvolle Nacht zu haben. Ich hatte bei dem Anästhesiegespräch darum gebeten, mir etwas besonders Intensives zu geben. Am nächsten Morgen (05.10.2006) wurde ich um 6 Uhr geweckt, hatte noch die Zeit zum Duschen und Rasieren und wurde dann auf die OP vorbereitet. Hemdchen, Strümpfe, Höschen und eine Tablette zum Entspannen. Um kurz nach 7 Uhr wurde ich zum OP-Bereich im Bett geschoben. Meine liebe Frau hat mich bis zum OP-Bereich begleitet, wofür ich Ihr sehr dankbar bin. Im OP-Bereich wurde ich weiter vorbereitet. Dabei bekam ich auch meinen PDK angelegt, etwas was ich nur jedem empfehlen kann, weil ich bestimmt auch dadurch eigentlich keine großen Schmerzen ertragen musste. Nur ca 20 Sec nach dem Anbringen des PDK lag ich auf dem OP-Tisch und bekam kurz Sauerstoff und dann nach einigen Sekunden was zum Einschlafen. Die letzten Worte, die ich hörte, waren: „Denken sie nun an was Schönes." Dazu kam es eigentlich nicht mehr, das Nächste an das Ich mich erinnern kann, war eine sehr ruhige und nette Stimme, die mir erklärte, dass ich nun wach sei und in wenigen Minuten auch wieder selbst atmen könne. Das war dann am gleichen Tag der OP (05.10.2006) um ca. 23 Uhr.

Nach der OP: Meine erste Frage war die Frage nach der Anzahl der Schnitte, weil ich wusste, das zu einer erfolgreich durchgezogenen OP mit einem Magenhochzug (Schlauchmagen) zwei Schnitte (Bauchbereich und Rippenbereich rechte Seite) notwendig war. Es folgten 3,5 bewusste Tage (05.10. 2006 ca. 23:00 Uhr - 09.10.2006 ca. 10:30 Uhr) auf der Intensiv Station. Ich kann die negative Meinung von anderen über diese Tage auf Intensivstation nicht teilen. Ich habe mich dort sehr sicher und aufgehoben gefühlt. Es wurde sich um mich sehr gut gekümmert. Ich hatte keine Angst, keine Schmerzen und immer war jemand ganz in meiner Nähe als Ansprechpartner vorhanden. Ich bekam entsprechende Geräte zum Lungenaufbau zur Verfügung gestellt und ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Alleine das Verhältnis von einer Schwester für 2 Patienten sagt was über die Behandlung dort aus. Dazu jede Menge Unterstützung durch Ärzte und Bewegungstherapeuten. Am ersten Tag durfte ich aufstehen, ca. 3 Meter gehen und auf einem speziellem Sessel Platz nehmen. Meine Frau erzählte mir, dass außer dem Bewegungstherapeuten und der Schwester vor mir, noch 3 Schwestern die Geräte hinter mir hergeschoben haben. Das hat bestimmt lustig ausgesehen. Meine Frau war jeden Tag 2 Mal zu Besuch. Einmal morgens ca. 3 Stunden und nachmittags 4 Stunden und ich war sehr begeistert, dass es dort auf der Station gern gesehen wurde. Das Einzige was etwas nervend war, war das ständige Piepsen von Geräten, nicht nur bei mir im Zimmer sondern auch in den anderen Zimmern. Dadurch konnte ich nie lange schlafen. Nach und nach wurden die Schläuche am Körper weniger. Hatte nach der OP 12 Schläuche, einen Zentralkatheter (für Ernährung und Medikamente) am Hals, einen Blutdruckmesspunkt (wird direkt in der Schlagader am Handgelenk gemessen), eine Nasenbrille (dient der Sauerstoffzufuhr) und einen PDK (so ähnlich wie bei vielen Schwangeren bei der Geburt (PDA = Periduralanästhesie), nur bei PDK einen dauerhaften Zugang zur Wirbelsäule) und einen Fingerclip zur Pulsmessung. Am 4. Tag nach der OP wurde ich morgens auf die normale Station verlegt. Dort bekam ich auch ein Gerät zum Lungenaufbau bereitgestellt. Ein Physiotherapeut zum Bewegungsaufbau besuchte mich einmal am Tage, um mit mir das Laufen zu trainieren. Ich wurde weiter künstlich über den Zentralkatheter (sitzt am Hals) ernährt und der PDK leistete noch ca 1 Woche (bis zum 15.10.06) seine Dienste. Die Dosis des PDK wurde immer weiter runtergefahren und dann wurde die Zufuhr für 24 Stunden zur Probe abgestellt. Da ich aber keine großen Schmerzen mehr spürte, wurde der PDK dann entfernt (16.10.2006). 11 Tage nach der OP (16.10.2006) war bis auf einen Schlauch alles entfernt und die Narbenklammern waren seit dem 15.10.2006 verschwunden. (Z.B.: 10.10.2006 zwei Bauchschläuche entfernt und Blasenkatheder entfernt. 11.10.2006 Magensonde entfernt.) Ich habe ca 7 Tage nach der OP gebraucht um mich wieder einigermassen bewegen zu können (Waschen, Rasieren, Toilettengang, Aus- und anziehen, usw.....). Die Kondition wurde immer besser. Interessant war für mich, dass ich das Gefühl hatte, abends beweglicher und fitter zu sein als morgens. Ich hatte das Gefühl über die Nacht von den am Tage gewonnen Verbesserungen wieder etwas eingebüßt zu haben. Wichtig war die Erkenntnis, den Inneren „Schweinehund" überwinden zu müssen um wirklich brauchbare Fortschritte erzielen zu können. Dabei wollte ich mich weder unterfordern noch überfordern, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden. Ich habe versucht eine gesunde Mischung zu finden. Am Anfang war selbst Sitzen keine Erholung und atemtechnisch sehr anstrengend. Es war ein Gefühl, als wenn ein Stahlpanzer beim Atmen eine Art Begrenzung sein würde und nach und nach löste sich der Panzer. Nach und nach dauerte es immer länger, bis ich auf eine Art Kurzatmigkeit umstellte. Und so wurde erst das Sitzen zur Erholung, dann das Stehen und dann kam ich auch lauftechnisch immer weiter, ohne außer Atem zu kommen. Nach 7 Tagen auf der Normal Station mit dem Bewegungstherapeuten, durfte ich alleine über das Gelände laufen (16.10.2006). 8 Tage nach der OP (13.10.2006) gab es eine Dichtigkeitsprüfung. Dabei musste ich Kontrastmittel schlucken und der Weg vom Mund bis zum Darm wurde dann durch Röntgengeräte verfolgt, um zu prüfen, ob die neuen Wege des Verdauungstraktes auch dicht sind. Danach wurde mit dem Ernährungsaufbau angefangen und der Darm wurde mittels Zäpfchen reaktiviert. War ganz witzig, welche Töne der Darm dabei von sich gibt. Ich bekam zunächst am 1. Tag nur Tee, dann am 2. Tag Joghurt und am 3.Tag warme Brühe, dann Toast mit Marmelade und dann ein Diätmenu, mit Kartoffelbrei. Nach und nach wurde ich zur relativ normalen Kost herangeführt. Ich habe alles vertragen und ich bekam 10 Tage nach der OP (15.10.2006) den Zentralkatheter herausgenommen, über den ich sehr gut ernährt worden bin. Ich hatte in dieser Zeit nie Hunger oder Durst. Lediglich einen sehr trocknen Mund, den ich mir mittels einer Art Q-Tipp in Wasser getaucht, benässen durfte (Die Tage bis zum Tee trinken). Das Ergebnis der OP war ein entfernter Bereich mit maximalem herausnehmbarem Gewebe mit den groben Grenzen: Herzbeutel, Schlagader und Wirbelsäule. Es wurden 25 Lymphknoten entfernt, von denen 4 befallen waren. Der obere und untere Schnittbereich waren laut Pathologie von Krebszellen frei. Lediglich der Randbereich an den Seiten zeigte in der Nähe der Schnittfläche noch teilweise aktive Krebszellen. Das Tumorstadium: pT3, pN1 (4/25), R1, G3. Da ich einen sehr schnell wachsende Krebsart habe, war für mich die Entscheidung schnell gefällt, sofort eine Strahlentherapie zu machen und nicht erst eine Reha zu durchlaufen. Nach Diskussion der Fachärzte untereinander kam es zu der Entscheidung, erst Bestrahlung dann Reha. Die Reha läuft mir nicht weg, aber könnte zu einem Zeitproblem führen. Meine Blutwerte und meine körperliche Verfassung lassen diesen Weg zum Glück zu, und so beginnt am 13.11.2006 die Strahlentherapie (ca.5 ½ Wochen nach der OP) in Verbindung mit einer Chemo mit Taxol. Vor der OP hatte ich eine Chemo mit 5 FU und Cisplatin. Beim ersten Staging wurde ein Rückgang von ca 33 % festgestellt. Da aber bei der letzten Kontrolle vor der OP nur ein geringfügiger Rückgang (7% bis 10%) festgestellt wurde, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass meine Krebszellen gegen diese Stoffe bereits eine Art Immunität aufgebaut haben. Das ist bei dieser Krebsart leider sehr schnell der Fall und so wurde als Verstärker der Strahlentherapie eine andere Substanz gesucht.

Alles im allem bin ich mit der OP, dem Operateur und der Genesung meines Körpers sehr zufrieden. Der OP-Bericht ließt sich sehr interessant, würde aber hier zu weit führen. Auf den Stationen gaben sich alle viel Mühe und alle waren sehr freundlich. Es gibt immer etwas, was schief gehen kann, oder was einen nervös macht, aber das dürfte in jedem Krankenhaus der Fall sein. Ich war immer bemüht konstruktiv mitzuarbeiten und alles für meine Genesung bei zu tragen, was in meiner Macht steht. Und wenn mal etwas schief ging (falsches Essen, vergessene Ultraschalluntersuchung), dann hilft nur Ruhe bewahren und nachfragen. Das sagt sich jetzt mit ein paar Tagen Abstand leichter, als ich in der Situation steckte. Aber letztendlich macht man es sich selbst, den Schwestern und den Ärzten auch nicht leichter, wenn man dann aggressiv wird oder alles so über sich ergehen lässt. Auch im Krankenhaus habe ich eine psychologische Unterstützung angenommen und kann diese auch nur Empfehlen. Jede Hilfe war Willkommen!

Ein letzter Schlauch, der im Zwischenraum neben der Lunge auf der rechten Seite saß (Bülau-Drainage), entpuppte sich als Spaßbremse, sonst wäre ich nach 2 Wochen wieder zu Hause gewesen. Mein Körper produzierte 1 Woche 280ml pro Tag an Flüssigkeit aus diesem Schlauch und dann entschied man, ihn herauszunehmen, weil alle davon ausgingen, dass es eine Art Anti-Reaktion meines Körpers war. Der Schlauch wurde dann am 23.10.2006 entfernt. Dann kamen noch 3 Tage Abwarten und danach die Bestätigung, weil ich dann deutlich weniger Flüssigkeit im Körper produzierte und der Körper bis zu 200 ml selbst abbauen kann. Dann gab es noch Unklarheiten über einen Bereich an der Lunge, der aber nach einer CT-Untersuchung (26.10.2006) als nicht besonders gefährlich eingestuft wurde und sich als basalen abgekapselten Erguss, mit eingeschlossenem kleinem Pneu und mediastinaler Luft erwies.

Am Donnerstag den 26.10.2006 wurde ich entlassen und am Freitag (27.10.2006) bekam ich die Papiere (gegen 11:30 Uhr) mit denen ich sofort zu meinem Arzt gefahren bin, bei dem dann die weitere Behandlung bereits abgestimmt wurde (war ca 1,5 Std. im Gespräch) und der Termine mit dem Arzt für die Bestrahlung abgestimmt wurde.

Das Planungs-CT war am 06.11.06 und die Simulation am 10.11.2006. Ich habe den ersten Bestrahlungstermin am Montag den 13.11.2006 und die erste Chemo am 14.11.2006. Aber dazu mehr in einer nächsten Information.

Bis dahin, liebe Grüße, Mark

12. November 2006 (Mark)